Potsdam, 17.06.2026 (lifePR) – Manchmal zeigt sich die Stärke von Ingenieurinnen und Ingenieuren schon, bevor eine Veranstaltung überhaupt begonnen hat. Der 30. Ingenieurkammertag der Brandenburgischen Ingenieurkammer startete am 16. Juni 2026 unter besonderen Vorzeichen: Eine Bombenentschärfung in Potsdam sorgte am Morgen für Unsicherheit, spontane Umplanungen und die bange Frage, ob die Veranstaltung überhaupt wie geplant stattfinden kann.

Doch Ingenieurinnen und Ingenieure sind bekanntlich lösungsorientiert. Und so ließen sich mehr als 100 Teilnehmende nicht davon abhalten, der Einladung ins Potsdam Museum zu folgen. Am Ende wurde der Jubiläums-Kammertag nicht nur zu einer erfolgreichen Fachveranstaltung, sondern auch zu einem eindrucksvollen Beweis dafür, wie flexibel und pragmatisch die Ingenieurbranche auf Herausforderungen reagiert.

Über 400 Tassen Kaffee und ein klarer Favorit beim Gebäck

Die Zahlen des Tages sprechen für sich: Über 400 Tassen Kaffee wurden ausgeschenkt, zahlreiche Wraps, Kesselgulasch und weitere Snacks fanden ihre Abnehmer. Der heimliche Star des Caterings waren jedoch die Schokoladenkekse, die deutlich schneller verschwanden als ihre weniger schokoladigen Konkurrenten.

Denn das diesjährige Konzept des Ingenieurkammertages machte deutlich: Wer den ganzen Tag über aktuelle Entwicklungen im Bau-, Planungs- und Ingenieurwesen diskutiert, braucht nicht nur Denkanstöße, sondern auch die passende Verpflegung.

Staatssekretär kommt mit dem Fahrrad

Dass die Zusammenarbeit zwischen Kammer und Landespolitik weiter an Bedeutung gewinnt, unterstrich auch der Besuch von Infrastrukturstaatssekretär Volker-Gerd Westphal. Den Weg vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung legte er kurzerhand mit dem Fahrrad zurück – praktisch, unkompliziert und damit ganz im Sinne des Tages.

In seinem Grußwort würdigte er die erfolgreiche Arbeit der Brandenburgischen Ingenieurkammer und betonte die Bedeutung des engen Austauschs. Wichtige Vorhaben wie die Weiterentwicklung des Brandenburgischen Ingenieurgesetzes sollen noch in diesem Jahr gemeinsam diskutiert werden. Auch die Novelle der Brandenburgischen Bauordnung, die bereits am Donnerstag in die zweite Lesung des Landtages geht, spielte dabei eine zentrale Rolle.

Präsident Krebs führt durch die fünf Elemente

Durch das Programm führte BBIK-Präsident Dipl.-Ing. Matthias Krebs persönlich. Mit Fachkenntnis, Humor und der nötigen Portion Spontaneität gelang es ihm, den roten Faden durch einen abwechslungsreichen Tag zu ziehen.

Besonders bei den Ehrungen bewies er Improvisationstalent: Kurzerhand wurde Staatssekretär Westphal zum „Blumenjungen“ befördert und unterstützte die Übergabe der Auszeichnungen. Ein Moment, der für viele Lacher sorgte und gleichzeitig zeigte, dass auch offizielle Veranstaltungen nicht immer bierernst sein müssen.

Das fünfte Element: Recht

Den fachlichen Auftakt bildete das „fünfte Element“ – das Recht. Dr. iur. Udo Moewes, Vorsitzender des Eintragungsausschusses der BBIK, gab einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bauordnungs- und Bauplanungsrecht.

Im Mittelpunkt standen die geplante Novelle der Brandenburgischen Bauordnung, die Positionen von BBIK, BBAK und Förderverein Baukultur Brandenburg sowie die Auswirkungen des sogenannten „Bau-Turbos“.

Besonders deutlich wurde dabei: Die Politik setzt derzeit stark auf Beschleunigung, Vereinfachung und mehr Handlungsspielräume für Kommunen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, dabei die Qualität des Bauens, die Planungssicherheit und bewährte Kontrollmechanismen nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Kammer setzt sich weiterhin dafür ein, das Vier-Augen-Prinzip zu erhalten und die Qualitätssicherung bei anspruchsvollen Bauvorhaben nicht zu schwächen

Darüber hinaus wurden die geplante große BauGB-Novelle, der Gebäudetyp E, das Gebäudemodernisierungsgesetz sowie die aktuellen Förderprogramme des Bundes vorgestellt. Die anschließenden Diskussionen machten deutlich, wie groß der Informationsbedarf in der Branche ist und wie eng technische, rechtliche und politische Fragen mittlerweile miteinander verwoben sind.

Vier Elemente, zwei Foren, viele Perspektiven

Nach dem gemeinsamen Auftakt teilte sich das Programm in zwei Fachforen auf.

Im Forum „Wasser & Luft“ standen nachhaltige Gründungskonstruktionen, moderne WU-Beton-Systeme und die Erfahrungen aus dem seriellen Sanieren im Mittelpunkt. Hier wurde deutlich, dass Dauerhaftigkeit, Ressourcenschonung und Energieeffizienz längst zentrale Planungsparameter geworden sind.

Im Forum „Erde & Feuer“ richtete sich der Blick auf traditionelle und innovative Baustoffe sowie den Brandschutz. Besonders der Lehmbau stieß auf großes Interesse. Die Beiträge zeigten eindrucksvoll, welches Potenzial in klimafreundlichen Baustoffen steckt und wie moderne Ingenieurplanung traditionelle Materialien neu interpretiert.

Der Ingenieurkammertag hat einmal mehr gezeigt, dass Ingenieurinnen und Ingenieure weit mehr leisten als das Berechnen von Tragwerken oder das Planen technischer Anlagen. Sie gestalten die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Infrastruktur, treiben Innovationen voran und entwickeln Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit.

Ob Wohnungsbau, Energiewende, Klimaanpassung oder Digitalisierung – ohne Ingenieurinnen und Ingenieure lassen sich die großen Zukunftsaufgaben nicht bewältigen.

Nicht nur die fachlichen Inhalte stießen auf große Resonanz. Auch die visuelle Gestaltung des Ingenieurkammertages wurde besonders gewürdigt: Das Potsdam Museum nimmt die Veranstaltungsplakate in seine Sammlung „Plakate und Gebrauchsgrafik“ auf. Für die Brandenburgische Ingenieurkammer ist dies eine besondere Auszeichnung und zugleich ein Zeichen dafür, dass Ingenieurkultur und Baukultur auch in der öffentlichen Wahrnehmung eng miteinander verbunden sind.

So endete der 30. Ingenieurkammertag mit einem positiven Fazit. Nicht nur Potsdam konnte am Ende des Tages auf eine erfolgreich entschärfte Bombe zurückblicken. Auch die Brandenburgische Ingenieurkammer zeigte einmal mehr, dass selbst unter ungewöhnlichen Rahmenbedingungen erfolgreiche Veranstaltungen möglich sind – getragen von klugen Köpfen, intensiven Gesprächen, viel Fachwissen und einer bemerkenswerten Begeisterung für Schokoladenkekse.