Heidelberg, 22.07.2026 (lifePR) – Fünf Jahre nach dem Start des ökologischen Waldumbaus im Mannheimer Kollekturwald zieht die Stiftung Schönau eine positive Zwischenbilanz: Die Projektbeteiligten haben inzwischen einen großen Teil der vorgesehenen Flächen bearbeitet. Die jungen Bäume wachsen gut an, viele Bereiche zeigen sich wieder sichtbar grün. An manchen Stellen lässt sich bereits erahnen, wie der künftige standortgerechte Laubmischwald aussehen könnte. Er soll mit den Folgen des Klimawandels besser zurechtkommen.
Der Kollekturwald ist mit einer Fläche von 111 Hektar Teil des Käfertaler Waldes und gehört der Stiftung Schönau. Über Jahrzehnte prägten Kiefern das Waldbild. Trockenheit, Pilzbefall und die Folgen des Klimawandels schwächten diese Bestände zunehmend. Hinzu kamen schwierige Standortbedingungen: Der Grundwasserspiegel liegt heute deutlich tiefer als noch vor wenigen Jahren. Viele Kiefern kamen mit diesen veränderten Bedingungen nicht mehr zurecht und starben nach und nach ab.
Zusätzlich erschwerte die Spätblühende Traubenkirsche die natürliche Entwicklung des Waldes. Die aus Nordamerika stammende Baum- und Strauchart ist ein sogenannter Neophyt, der sich stark ausbreitet und heimische Baumarten verdrängt. Zu Beginn des Waldumbaus war deshalb ein wichtiger erster Schritt, die Spätblühende Traubenkirsche sowie weitere Neophyten zu entfernen, damit sich heimische Bäume und Sträucher in der unteren und mittleren Waldschicht entwickeln können.
Seit 2021 baut die Landschaftsagentur Plus GmbH aus Oberursel den Wald in Kooperation mit der Stiftung Schönau in mehreren Abschnitten ökologisch um. Ziel ist ein standortgerechter, strukturreicher und klimastabiler Mischwald, der den Naturraum langfristig erhält, Lebensräume für Tiere und Pflanzen stärkt und auch künftig als Erholungsraum für die Menschen in Mannheim erlebbar bleibt.
Langer Atem zahlt sich aus
Die Landschaftsagentur Plus hat bereits rund 62 Hektar der vorgesehenen Umbauflächen bearbeitet. Da im Kollekturwald natürliche Samenbäume für die gewünschten neuen Baumarten fehlen, wurden jährlich rund 20.000 junge Bäume gepflanzt. Das entspricht in etwa der Pflanzleistung des gesamten übrigen Forstbetriebs der Stiftung Schönau.
Zum Einsatz kommen standorttypische Baumarten wie die als besonders langlebig und standfest geltende Traubeneiche, Hainbuche, Sommer- und Winterlinde sowie verschiedene Begleitbaumarten. So entsteht Schritt für Schritt ein Wald, der besser mit Hitze, Trockenperioden und veränderten Bodenverhältnissen zurechtkommen soll.
„Der Waldumbau im Kollekturwald war von Beginn an auf eine langfristige Perspektive angelegt. Jetzt zeigt sich: Der lange Atem und die Geduld zahlen sich aus“, sagt Ingo Strugalla, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schönau. „Im Mittelpunkt steht der Erhalt des Ökosystems. Wer den Kollekturwald heute betrachtet, kann an vielen Stellen bereits den Wald von morgen erkennen.“
Pflege entscheidet über den Erfolg
Der positive Zwischenstand geht auch auf die intensive Pflege der jungen Bestände zurück. Während der Anwuchsphase und in ausgeprägten Dürreperioden wässern die Fachleute die gepflanzten Bäume bei Bedarf, um sie zusätzlich zu unterstützen. Zudem verbleiben mehr Totholz und Mulchmaterial auf den Flächen, damit der Boden die Feuchtigkeit besser halten kann; ergänzend werden Holzhackschnitzel ausgebracht. Das fördert die Humusbildung und verbessert langfristig die Bodenqualität.
Die jungen Bäume brauchen regelmäßige Pflege. Auf vielen Flächen entfernen oder mulchen die Fachleute den Begleitwuchs mehrmals im Jahr, damit die jungen Bäume besser an Licht, Wasser und Nährstoffe kommen. Für zusätzlichen Schutz gegen Beschädigungen durch Wildtiere sorgen natürliche Wuchshüllen und Wuchshilfen aus Holz. Regionale Betriebe der Lebenshilfe fertigen sie an. So entsteht ein doppelter Nutzen: Die eingesetzten Schutzmaterialien kommen ohne Kunststoff aus, gleichzeitig unterstützt das Projekt diakonische Arbeit in der Region.
„Ein ökologischer Waldumbau ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine Generationenaufgabe“, betont Umweltplaner Stephan Reff von der Landschaftsagentur Plus. „Entscheidend ist nicht allein die Pflanzung, sondern die kontinuierliche Pflege in den Jahren danach. Dass die Flächen heute wieder grün sind und die jungen Bäume gut anwachsen, ist ein sehr ermutigendes Zeichen.“
Bereits zu Beginn des Projekts war klar: Der Umbau sollte so schonend wie möglich erfolgen. Habitatbäume, vorhandene heimische Bäume, Totholz und andere ökologisch wertvolle Strukturen bleiben erhalten. Die Landschaftsagentur Plus setzt die Maßnahmen abschnittsweise um, um Eingriffe in den Naturraum und Beeinträchtigungen der Erholungsfunktion des Waldes möglichst gering zu halten.
Für die Stiftung Schönau zeigt der Kollekturwald, wie verantwortungsvolles Wirtschaften über lange Zeiträume hinweg Wirkung entfaltet. Der Umbau steht exemplarisch für den Anspruch, Wald nicht nur zu nutzen, sondern ihn als Lebensraum, Klimafaktor und Erholungsraum für kommende Generationen zu erhalten.