Waldenburg, 11.08.2026 (lifePR) – Manche Bauwerke tragen die Zeit nicht als Bürde, sondern als Auszeichnung. Das Schloss Waldenburg ist eines davon – ein Ort, an dem Jahrhunderte zur Signatur werden, nicht zur Spur des Verfalls. Seit zehn Jahren residiert hier Philipp Architekten, ein Architekturbüro als Familienunternehmen, das heute in mindestens elfter Generation besteht – eine Herkunft, die in eine Epoche zurückreicht, in der Architektur noch nicht in Schubladen wie Wohnhaus, Gewerbebau oder Hotel gedacht wurde, sondern schlicht als die Kunst verstanden wurde, dem menschlichen Leben Raum zu geben. Ob Residenz, Unternehmenssitz, Weingut oder öffentliches Bauwerk – die Handschrift bleibt dieselbe, nur der Auftrag wechselt. Wir trafen Anna Philipp im Schlosssaal, um über dieses Jubiläum zu sprechen – und über eine Frage, die sich als roter Faden durch das Gespräch zieht: warum Architektur heute wieder wird, was sie im Grunde immer war – ein Statement, das die Zeit überdauert.
Frau Philipp, zehn Jahre Schloss Waldenburg als Sitz Ihres Büros – aber Philipp Architekten existiert schon viel länger. Erzählen Sie uns die Geschichte.
Unser Büro ist ein Familienunternehmen, das heute mindestens in der elften Generation besteht – das reicht weit zurück, in eine Zeit, in der Architektur noch selbstverständlich als Handwerk und Lebensaufgabe verstanden wurde, nicht als Dienstleistung. Was sich vor zehn Jahren verändert hat, ist der Ort, an dem wir arbeiten, nicht unsere Haltung. Wir sind ins Schloss Waldenburg gezogen, weil wir einen Raum gesucht haben, der zu unserer Arbeitsweise passt: einen, der Geschichte atmet und trotzdem Zukunft denkt. Man entwirft anders, wenn man von Gewölbedecken statt von Systemdecken umgeben ist.
Ein Schloss als Büro ist ungewöhnlich. War das ein bewusstes Statement?
Absolut. Wir wollten einen Ort, der unsere Überzeugung verkörpert, bevor wir überhaupt ein Wort dazu sagen müssen: dass gute Architektur nicht dem Moment gehört, sondern der Zeit. Wenn Klienten zu uns kommen, um über ihr eigenes Lebenswerk zu sprechen – ein Haus, ein Weingut, ein Unternehmenssitz, das Generationen überdauern soll – dann ist es hilfreich, wenn der Rahmen bereits beweist, dass so etwas möglich ist.
Für wen entwerfen Sie heute? Wer kommt zu Ihnen ins Schloss?
Unsere Kundenschaft ist international geworden, wir waren immer offen dafür, ohne dass wir das aktiv gesucht hätten – es hat sich aus der Arbeit selbst ergeben. Wir betreuen Auftraggeber aus Deutschland, der Schweiz, aber zunehmend auch aus dem übrigen Europa und darüber hinaus. Was sie verbindet, ist weniger die Herkunft als die Haltung: Es sind Connaisseure. Menschen, die bereits viel gesehen haben – Kunst, Design, Uhren, Architektur – und die genau deshalb den Unterschied zwischen gut gemacht und wirklich außergewöhnlich sofort erkennen. Mit einem oberflächlichen Rendering kommt man bei diesem Publikum nicht weit.
Sie sprechen oft von Architektur als Wertanlage. Deckt sich das mit dem, was Sie im Markt beobachten?
Ja. Aber der eigentliche Wert entsteht nicht dort, wo man auf Zahlen schaut, sondern dort, wo ein Gebäude Charakter hat. Wer heute investiert, sucht nicht mehr Größe, sondern Dauer: Schönheit, Substanz, Nachhaltigkeit – und jene schwer greifbare Qualität, die ein Haus unverwechselbar macht. Solche Gebäude überleben Moden. Sie werden geliebt, genutzt, weitergegeben – und manchmal, mit der Zeit, zu dem, was man ein Sammlerstück nennt.
Das klingt nach dem, was Sie Collectible Architecture nennen.
Genau. In Paris gibt es eine Agentur, Architecture de Collection, die zeitgenössische Architektenhäuser explizit wie Kunstwerke vermarktet – als Sammlerstücke. Ich finde diesen Begriff treffend, weil er ausspricht, was wir seit elf Generationen praktizieren, ohne es je so genannt zu haben. Ein Bauwerk, das eine Handschrift trägt, das nicht reproduzierbar ist, das aus präzisem Handwerk entsteht – das wird zum Unikat. Und Unikate verlieren nicht an Wert, sie gewinnen.
Welche architektonischen Entwicklungen sehen Sie aktuell als besonders prägend?
Mehrere Linien verdichten sich gerade zu einem klaren Bild. Craftsmanship schlägt Größe – echte handwerkliche Qualität wird wieder erkannt und honoriert, oberflächliche Aufhübschung nicht mehr. Echtes Handwerk ist der neue Luxus. Charakter schlägt Quadratmeter – kleinere, aber atmosphärisch dichte Objekte in besonderen Lagen setzen sich durch. Und wir sehen einen warmen Minimalismus: klare Linien, aber mit Textur, Licht und Material, das den kalten White Cube der letzten Jahre ablöst.
Und beim Thema Wohlbefinden?
Wellness, ja – aber das greift für mich viel zu kurz. Was unsere privaten Auftraggeber heute wirklich suchen, ist mehr als nur ein schöner Spa-Bereich: ein privates Hideaway in einer Zeit, die unaufhörlich laut und hektisch geworden ist. Ein Ort, an dem man endlich wieder bei sich selbst ankommt. Dazu kommt etwas, das ich für wesentlich halte: eine Renaissance der Schönheit. Nicht im oberflächlichen Sinn, sondern als echte, tief empfundene Qualität – als Harmonie, als stimmige Proportion, als Atmosphäre, die trägt.
Architektonisch bedeutet das eine Gratwanderung, die uns täglich beschäftigt: Räume müssen großzügig und offen wirken, dürfen aber niemals kalt oder unpersönlich werden. Großzügigkeit und Geborgenheit – cosy, wenn Sie so wollen – müssen gleichzeitig spürbar sein, nicht nacheinander. Ein Aspekt, der dabei oft unterschätzt wird, ist die Akustik. Ich sage unseren Klienten immer: Sie werden einen Raum nicht nur sehen, sie werden ihn hören – und genau darüber entscheidet sich, ob echte Tiefenentspannung möglich ist. Ein Material, das den Schall schluckt statt ihn zu werfen, eine Decke, die Stille ermöglicht statt Hall zu erzeugen – das sind die leisen Entscheidungen, die am Ende darüber bestimmen, ob ein Zuhause wirklich zum Rückzugsort wird oder nur schön aussieht.
Sie erwähnen oft, dass Architektur bei Ihnen nie für sich allein steht.
Genau das ist vielleicht unser größter Unterschied zu vielen Büros. Wir denken Architektur, Interior Design und Landschaftsarchitektur nie getrennt, sondern als ein kuratiertes Gesamtkunstwerk. Ein Bauwerk, dessen Innenraum nicht mit der Architektur korrespondiert, bleibt Fragment. Ein Garten, der nicht aus dem architektonischen Konzept heraus entwickelt wurde, bleibt Dekoration. Erst wenn Baukörper, Interior Design und Landschaft aus derselben Idee entstehen, entsteht das, was unsere Klienten eigentlich suchen: ein Ort mit einer einzigen, kohärenten Handschrift.
Ein großes Thema unserer Zeit ist Künstliche Intelligenz. Wie blicken Sie darauf?
Das ist eine Frage, die uns im Büro sehr beschäftigt – mein Bruder Christopher hat dazu vor Kurzem in einer internen Strategieansprache einen Vergleich gezogen, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht. Er hat die aktuelle Entwicklung mit dem Uhrenmarkt Ende der Siebzigerjahre verglichen, als die Quarzuhr aufkam.
Erzählen Sie mehr davon.
Die Quarzkrise hat den Uhrenmarkt damals komplett umgekrempelt. Industriell gefertigte Quarzuhren waren präziser, billiger, in Massen produzierbar – und ein Großteil der traditionellen Manufakturen ist daran fast zugrunde gegangen. Aber einige wenige Häuser haben etwas verstanden, das den Markt am Ende gerettet hat: Eine mechanische Uhr ist nicht nur Technik zur Zeitmessung. Sie ist Handwerk, Geschichte, Seele – ein Sammlerstück. Genau daraus ist die Haute Horlogerie entstanden, wie wir sie heute kennen, wertvoller und begehrter als je zuvor.
Und die Parallele zur Architektur?
Sie liegt für mich auf der Hand. KI wird Grundrisse optimieren, Renderings in Sekunden liefern, Prozesse beschleunigen – das ist unausweichlich und in vielen Bereichen sogar sinnvoll. Aber ein Bauwerk, das nur aus Algorithmen entsteht, wird zur architektonischen Quarzuhr: funktional, aber ohne Seele. Unsere Aufgabe als Architekturbüro der elften Generation ist es, genau das zu bewahren, was keine Maschine replizieren kann – die Handschrift, die Intuition, die Entscheidung aus Erfahrung und Herz. Das ist unsere Haute Architecture, wenn Sie so wollen. Und ich bin überzeugt, dass genau diese Bauwerke in zwanzig Jahren das sein werden, was mechanische Uhren heute sind: die eigentlichen Sammlerstücke.
Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre im Schloss Waldenburg – und für die zwölfte Generation?
Ich wünsche mir vor allem, dass Schönheit in der Architektur wieder einen herausragenden Stellenwert bekommt. Nicht als bloße Oberfläche, sondern als etwas Wesentliches, das Atmosphäre schafft, Identität stiftet und Menschen berührt. Die Renaissance der Schönheit beschäftigt mich im Moment übrigens auch im Rahmen eines Buches, an dem ich arbeite.
Und ja: Die zwölfte Generation ist bereits ante portas. Meine beiden Neffen Otto und Karl Philipp arbeiten schon an ihren ersten eigenen Projekten. Das erfüllt mich mit Freude, weil darin Kontinuität sichtbar wird, ohne dass Stillstand entsteht. Mein Wunsch ist, dass wir als Familie die Einheit bewahren – ganz gleich, was kommt.