Bonn, 09.10.2026 (PresseBox) – Die Bundesregierung plant, das Jahreskontingent der sogenannten „Westbalkanregelung“ von derzeit 50.000 auf 25.000 Zustimmungen zu halbieren. Für die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB) ist das ein fatales Signal zur Unzeit. Der deutschen Bauwirtschaft fehlen in großer Zahl Fachkräfte: Allein im Bauhandwerk zählte das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) zuletzt besonders ausgeprägte Engpässe beim Ausbau von Infrastruktur und erneuerbaren Energien. Gleichzeitig ist die Beschäftigung in Infrastrukturberufen laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in den vergangenen Jahren ausschließlich durch Zuwanderung aus dem Ausland gewachsen. „Wer jetzt das Kontingent für Arbeitskräfte aus dem Westbalkan halbiert, zieht der Bau- und Infrastrukturoffensive den Boden unter den Füßen weg“, warnt BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka. Er fordert die Bundesregierung zu einem schnellen Kurswechsel auf.

Arbeitskräfte aus dem Westbalkan unverzichtbar für Bau- und Infrastrukturprojekte

Die geplante Kürzung trifft die Baubranche in einer ohnehin angespannten Lage. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kam das Beschäftigungswachstum in Infrastrukturberufen in den letzten Jahren vollständig aus dem Ausland. Bleibt dieser Zustrom aus, ist das neue Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität nach Einschätzung des IW kaum umzusetzen. „Die Bundesregierung verspricht Milliardeninvestitionen in Straßen, Brücken und Schienen, gefährdet aber gleichzeitig durch ihre Migrationspolitik die Arbeitskräftebasis, die es braucht, um diese Projekte zu bauen. Das passt nicht zusammen“, kritisiert Gilka. Auch die Arbeitgeberverbände schlagen Alarm: In einem aktuellen Positionspapier fordert deren Bundesvereinigung BDA, das Kontingent nicht zu halbieren, sondern ganz aufzuheben. Die Regelung habe sich als „wichtige und vergleichsweise einfache Möglichkeit“ bewährt, um Fach- und Arbeitskräftebedarfe zu decken, die aus Deutschland und der EU nicht befriedigt werden können.

BVMB fordert digitale Visa-Verfahren und Erhalt des Kontingents von 50.000 Arbeitskräften

Die BVMB verweist zudem auf die demografische Entwicklung: Laut der IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2029 könnte die bundesweite Fachkräftelücke um 47 Prozent auf 723.000 offene, nicht besetzbare Stellen steigen, wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert. Die Zahl der Fachkräfte aus den Westbalkanstaaten ist in den vergangenen fünf Jahren um 41 Prozent gestiegen. Das zeigt deutlich, wie unverzichtbar die Westbalkanregelung für viele Bauunternehmen und andere mittelständische Betriebe geworden ist. Gleichzeitig schafft sie legale und verlässliche Zugangswege zum deutschen Arbeitsmarkt und setzt damit ein klares Signal gegen Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Schleuserkriminalität. „Jede Fachkraft, die wir durch bürokratische Hürden und sinkende Kontingente verlieren, fehlt uns am Ende auf der Baustelle“, so Gilka weiter. Der Verband fordert daher die Bundesregierung auf, das Kontingent der Westbalkanregelung mindestens auf dem bisherigen Niveau von 50.000 zu belassen und stattdessen die Verfahren zu beschleunigen – etwa durch eine zentrale, digitale Visabearbeitung, wie sie auch die Arbeitgeberseite vorschlägt. „Es nützt niemandem, wenn Gelder für Infrastrukturprojekte bereitstehen, aber die Betriebe mangels Personal nicht liefern können. Die Bundesregierung muss hier dringend nachsteuern, bevor der nächste Bauherbst zum nächsten Rückschlag für die Infrastrukturoffensive wird“, mahnt Gilka.