Stuttgart, 22.07.2026 (lifePR) – Zum zweiten Mal zeichnet die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) Architektinnen für ihr Schaffen und Wirken aus. Der ARCHITEKTINNENPREIS akbw 2026 geht an die Junior-Stadtplanerin Maren Tetting für ihr Analysetool „Stadt.Klima.Ungleichheit“, an Veronika Lisanne Kazmeier (U 40) für die Sanierung eines historischen Dachgeschosses, an Dr. Gabi Lebherz für die Prozessbegleitung Weingarten-West sowie an Julia Bienhaus für das Einzelprojekt Fachwerkensemble „Zwei Häuser G“. Den Publikumspreis erhält die Landschaftsarchitektin Sonja Blaser für die Klimaschutzplanung eines Schulcampus.
42 Arbeiten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen waren eingereicht worden. Odile Laufner trug im Wechsel mit Ines Wiedemann und Cansu Coban vom initiierenden Netzwerk Architektinnen die Jury-Bewertungen vor und begründete die vier Kategorien beim ARCHITEKTINNENPREIS mit der riesigen Bandbreite: „Unser Berufsfeld ist so groß, dass so viel sichtbar werden konnte.“ Und der Arbeit von Frauen eine Bühne zu geben, darum gehe es bei dem Preis.
Susanne Dürr, AKBW-Vizepräsidentin und lange einzige Frau mit Architekturprofessur an der Hochschule Karlsruhe, eröffnete den Abend im Haus der Architektinnen und Architekten (Moderation: Andrea Fuchs) mit einer ernüchternden Bestandsaufnahme. Es mehrten sich – durch Abschaffung von Frauenquoten und verstärkt männerdominierte Vorstände – die Anzeichen für ein Rollback. „Das Errungene gerät heftig ins Wanken.“ In der Architektenkammer seien Frauen inzwischen mit 43 Prozent vertreten. Wichtig sei die angemessene Repräsentanz in Gremien, so Dürr mit Hinweis auf die aktuellen Kammerwahlen. Die gewürdigten Projekte demonstrierten weibliche Leistungsfähigkeit und Kompetenz. Der Preis solle das Selbstvertrauen, die Entscheidungsfreude, den Gestaltungswillen, Mut und Kreativität der ausgezeichneten Frauen strahlen lassen.
Die Preisträgerinnen 2026
Maren Tetting, Junior-Stadtplanerin, Frickenhausen
Kategorie: Junior-Architektinnen
Ihre Masterarbeit „Stadt.Klima.Ungleichheit“ entwickelt ein Analysetool zur Feststellung von Hitzebelastung. An den Beispielen Aalen und Schwäbisch Gmünd wird aufgezeigt, wie durch Indikatoren wie Alter der Bewohnerschaft, Gebäudealter oder Höhe der Nettokaltmiete Hotspots identifiziert und Handlungsoptionen zur Abwehr von Hitzebelastung abgeleitet werden können. Bewertung der Jury: „Ein solches Vorgehen ist neu und könnte Kommunen dazu bringen, gezielt Flächen […] in den Fokus zu nehmen, um konkrete Planungsmaßnahmen folgen zu lassen.“
Veronika Lisanne Kazmeier, Freie Architektin, Lichtenstein
Kategorie: U 40
Die 32-Jährige erhielt den Preis für die Sanierung eines historischen Dachgeschosses in Lichtenstein. Der Entwurf beantwortet u. a. die Frage: Wie lässt sich eine separate Wohneinheit gestalten, ohne die Geometrie des Grundrisses zu zerstören? Bewertung: Für die Jury ein Beispiel dafür, „wie wichtig es ist, auch in kleinen Dingen sorgfältig zu sein“. Die Reduktion und die Konsequenz in Kazmeiers Haltung sei erfrischend. Die architektonische Haltung respektiere den Bestand, zeige Zurückhaltung statt Geste und bewahre die Identität des Hauses.
Dr. Gabi Lebherz, Architektin, Freiburg
Kategorie: Interdisziplinäre Prozessgestaltung/Innovation
Die stellvertretende Leiterin des Stadtplanungsamts Freiburg und Abteilungsleiterin Städtebau und Wohnen erhielt den Preis für die 20 Jahre dauernde Begleitung des Stadtteils Weingarten-West, einer Großsiedlung aus den 1960er Jahren mit ca. 1.000 Wohnungen. Bewertung: Lebherz belege, dass Frauen „nicht nur kleinere Projekte betreuen, sondern auch riesengroße.“ Die Stadtteilentwicklung werfe früh die wegweisenden Fragestellungen auf, zeige langen Atem und zeige beispielhaft auf, was Kommunen zur Lebensqualität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner beitragen könnten.
Julia Bienhaus, Freie Architektin, Karlsruhe
Kategorie: Einzelobjekte
Für die „Zwei Häuser G“ in Karlsruhe: Sanierung eines Fachwerkhauses von 1730 als Teil eines „Urdorfes“ in bauzeitlicher Art. Bewertung der Jury: Überzeugt habe der „außerordentlich feinfühlige Umgang“ mit der alten Bausubstanz. Das Projekt verbinde beispielhaft die Themen der denkmalgerechten Sanierung und dem Weiterbauen unter Berücksichtigung des Kontextes.
Sonja Blaser, Landschaftsarchitektin, Freiburg
Kategorie: Publikumspreis
Das Publikum ließ sich überzeugen mit „Fit fürs Klima – Schulcampus evangelische Schulen am Firstwald“, Mössingen – eine klimaangepasste Umgestaltung eines Schulhofes. Bewertung: Die Planung zeige beispielhaft, wie in partizipativen Prozessen nicht nur gute Lösungen erarbeitet, sondern auch, wie Schülerinnen und Schüler an die Problematik des Klimawandels herangeführt werden und daraus eigenes Handeln ableiten könnten.
Infos zum Publikumspreis:
Drei Architektinnen und ihre Projekte wurden durch die Jury für den Publikumspreis nominiert: Neben der Preisträgerin Sonja Blaser auch Iris Schulenberg für die Sanierung und den Neubau von Volkshochschule, Musikschule und Kindergarten in Rottenburg am Neckar sowie Lisa Schneider für „50 für 4“, ein einfaches, autarkes Ferienhaus im Kraichgau
Infos zu den Preisträgerinnen sowie Jurybegründungen:
www.akbw.de/architektinnenpreis