Stuttgart, 24.02.2026 (lifePR) – Zwischen den Jahren 1950 und 1985 wurden rund 4,4 Millionen Tonnen Asbest in Deutschland verbaut. Das zeigen aktuelle Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA. Asbest wurde in einer Vielzahl von Baustoffen verwendet. Die Sanierung von Gebäuden mit asbesthaltigen Materialen ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. TÜV SÜD rät Eigentümern, Mietern, Bauherren und Handwerkern, vor Umbau- und Renovierungsarbeiten genau hinzuschauen.

Die Herstellung und die Verwendung von Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten. Aber in älteren Immobilien ist noch häufig Asbest vorhanden – beispielsweise in Wand- und Deckenputzen, Fliesenklebern, Fugen- und Spachtelmassen, Asbestpappen, Estrichen, Bodenbelagsklebern, Farben, Fensterkitten, Fensterbrettern oder Rohrverkleidungen. So wurden bei einer Untersuchung in der Schweiz an 303 unterschiedlich genutzten Gebäuden aus Baujahren zwischen 1850 und 1980 bei einem Drittel der Gebäude asbesthaltige Putze gefunden. Trotz des geringen Asbestgehalts im Putz (meistens < 1 Prozent) ergaben Arbeitsplatzmessungen beim Entfernen der Putze hohe Konzentration, die von mehreren 100.000 bis zu mehr als 1 Million Fasern pro Kubikmeter Luft reichten.

Grundsätzlich wird zwischen schwachgebundenen Asbestprodukten (z.B. Spritzasbest, Wandputz, Asbestschnüre in Ofentüren, etc.) und festgebundenen Asbestprodukten (Asbestzement) unterschieden. „Besonders gefährlich sind schwachgebundene Asbestprodukte, aus denen Asbestfasern schon durch Erschütterungen, Luftbewegungen oder natürliche Abnutzung freigesetzt werden können“, sagt Johannes Weber, Experte für Untersuchungen von asbestverdächtigen Baustoffen im akkreditierten Werkstoffprüflabor der TÜV SÜD Industrie Service GmbH in Filderstadt/Stuttgart. Von festgebundenen asbesthaltigen Baustoffen geht in der Regel keine Gefahr aus, solange die Bauteile intakt sein. „Aber sobald festgebundene Asbestprodukte mechanisch bearbeitet werden“, so der TÜV SÜD-Experte, „beispielsweise durch Abschleifen, Abbürsten, Bohren, Sägen oder Druckreinigen, gelangen mikroskopisch kleine Asbestfasern in die Umgebung.“

Asbestsanierungen nur durch zugelassene Fachfirmen

Die TÜV SÜD-Experten stellen immer wieder fest, dass Heim- und Handwerker leichtfertig mit den Renovierungsarbeiten an älteren Immobilien beginnen – vor allem jüngere Menschen, die nicht ausreichend über die Geschichte des Baustoffs, die vielen asbesthaltigen Bauprodukte und die massiven gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Fasern informiert sind. „Asbest ist als krebserregender Stoff eingestuft“, betont Johannes Weber. „Bei nicht sachgemäßem Umgang kann es zu unkontrollierten Faserfreisetzungen kommen, die schwerwiegende Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und die Gesundheit von Dritten haben.“

Aus diesem Grund müssen Umbau- und Renovierungsarbeiten nach Aussage des TÜV SÜD-Experten sorgfältig geplant und bei Asbestbelastung von Fachfirmen ausgeführt werden, die über eine Zulassung nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe 519 verfügen. Die TRGS 519 enthält konkrete Vorgaben für den Schutz von Beschäftigten und anderen Personen bei Tätigkeiten mit Asbest und asbesthaltigen Materialien bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten. Der unerlaubte Umgang mit Asbest ist ein Straftatbestand, der mit Freiheitstrafen oder Geldstrafen geahndet werden kann.

„Leider ist es oft nicht möglich, nur anhand des Aussehens oder des Verwendungszweckes eines Bauteils zu erkennen, ob Asbest enthalten ist“, erklärt Johannes Weber. „Für Gewissheit kann hier nur eine Laboranalyse im Labor sorgen.“ Dafür müssen die entsprechenden Proben fachgerecht entnommen, verpackt und an ein akkreditiertes Labor gesendet werden. Das akkreditierte Material- und Prüflabor von TÜV SÜD in Filderstadt/Stuttgart bietet solche Untersuchungen an, für die ein Rasterelektronenmikroskop eingesetzt wird. Wer weitere Informationen zu den Gesundheitsrisiken von Asbest, zur sicheren Probenentnahme und zum Asbest-Test von TÜV SÜD bekommen möchte, kann sich über E-Mail direkt an das Werkstofflabor in Filderstadt wenden: werkstofflabor-stuttgart@tuvsud.com