Vogelsbergkreis, 15.09.2026 (lifePR) – Die Weichen für die Zukunft des Naturschutzes im Vogelsberg sind gestellt: Bei der 19. Mitgliederversammlung des Vereins Natur- und Lebensraum Vogelsberg (NLV) standen neben dem Rückblick auf die geleistete Arbeit vor allem die Vorbereitung des Landschaftspflegeverbandes (LPV) und die dafür notwendige Neuausrichtung des Vereins im Mittelpunkt.
Zu Beginn des Vorstandsberichts wurde der verstorbenen Gründungsmitglieder Dr. Berthold Riedesel Freiherr zu Eisenbach und Dieter Graulich gedacht. Beide waren seit mehr als 20 Jahren im Verein aktiv. Dr. Riedesel Freiherr zu Eisenbach gehörte über diesen gesamten Zeitraum auch dem Vorstand des Vereins an. Die Mitglieder würdigten das langjährige Engagement der beiden mit einer Gedenkminute.
Anschließend begrüßte Vorsitzender Lorenz Kock die Mitglieder und Gäste. Landrat Dr. Jens Mischak dankte insbesondere dem Projektteam für seine Arbeit im zurückliegenden Jahr. Für die Abwicklung des Naturschutzgroßprojektes und die Vorbereitung der künftigen Strukturen sei viel Arbeit notwendig gewesen – sowohl innerhalb des Teams als auch im Vorstand. Ein wesentlicher Teil habe dabei in der Abstimmung mit dem zuständigen Ministerium gelegen.
Lorenz Kock blickte anschließend auf die Entwicklungen rund um das Naturschutzgroßprojekt zurück. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den Vorbereitungen für die Gründung des Landschaftspflegeverbandes. Der Vogelsbergkreis wird seine bisherige Unterstützung für das Naturschutzgroßprojekt erfreulicherweise auch künftig in den Landschaftspflegeverband einbringen.
Satzung für neue Struktur geändert
Eine wichtige Voraussetzung für die neue Organisationsform wurde mit der Änderung der Vereinssatzung geschaffen. Für die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes ist eine sogenannte Drittelparität vorgesehen: Politik, Landwirtschaft und anerkannte Naturschutzverbände sollen jeweils gleichberechtigt mit drei Personen im Vorstand vertreten sein. Die bisherigen Vertreter aus Forst und dem Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum (AWLR) sollen künftig als beratende Mitglieder ohne Stimmrecht eingebunden werden.
Die Mitgliederversammlung stimmte der entsprechenden Änderung der Satzung einstimmig zu. Damit ist der Weg für die neue Zusammensetzung des Vorstandes frei.
Neuer Vorstand gewählt
Im Anschluss wurden die Vertreter der drei Bereiche gewählt. Für die politische Seite gehören künftig Landrat Dr. Jens Mischak, Herbsteins Bürgermeisterin Astrid Staubach und Grebenhains Bürgermeister Simon Seibert dem Vorstand an. Die Landwirtschaft vertreten Volker Lein, Christoph Hardt und Andreas Löffler. Für die anerkannten Naturschutzverbände wurden Dr. Wolfgang Dennhöfer (BUND), Axel Rockel und Thomas Steinke (beide NABU) gewählt.
Als beratende Mitglieder wurden für das AWLR Lorenz Kock und Joachim Schönfeld benannt. Die weiteren beratenden Sitze aus dem Bereich der Forstbetriebsgemeinschaften und von HessenForst sollen noch abschließend besetzt werden.
Zum neuen geschäftsführenden Vorstand wurden anschließend Volker Lein als Vorsitzender sowie Dr. Wolfgang Dennhöfer und Simon Seibert als stellvertretende Vorsitzende gewählt.
Viele Naturschutzmaßnahmen umgesetzt
Einen breiten Raum nahm der Bericht über die im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes umgesetzten Maßnahmen ein. Die Vorstellung der einzelnen Aktivitäten übernahmen Projektleiter Johannes Euler und seine Stellvertreterin Martha Kindig.
Im Jahr 2025 konnten unter anderem rund 40 Projekte im Offenland umgesetzt werden. Dazu gehörten Entbuschungen, Nachpflegearbeiten, Grünlandinstandsetzungen und die Aufwertung von Wiesenflächen. Auch Wiesendrusch wurde gewonnen und auf geeigneten Flächen zur Entwicklung artenreicher Wiesen eingesetzt. Auch im aktuellen Jahr wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt.
Zu den größeren Maßnahmen gehörte die Entbuschung an der Waldsiedlung Breungeshain. Dort waren Flächen über mehrere Jahrzehnte nicht mehr bewirtschaftet worden. Durch die Entbuschung und anschließende Einsaat mit Wiesendrusch konnten die Flächen wieder für eine Bewirtschaftung hergerichtet werden. Weitere Maßnahmen fanden unter anderem bei Burkhards, Ilbeshausen und Breungeshain statt. Auch die 2024 erworbenen Streuobstwiesen im Raum Lautertal/Herbstein wurden wieder instandgesetzt.
Auch Moore und Gewässer standen im Mittelpunkt der Arbeit. Insbesondere die Renaturierung des Niedermoores an den Forellenteichen wurde fortgeführt. Ebenso bildet die Bekämpfung der invasiven Stauden-Lupine eine dauerhafte Aufgabe.
Landschaftspflegeverband startet 2027
Mit Blick auf die Zukunft steht nun der Übergang zum Landschaftspflegeverband an. Für 2027 sind unter anderem der Abschluss des Naturschutzgroßprojektes und die Erstellung des Abschlussberichtes vorgesehen. Gleichzeitig soll die Startphase des LPV beginnen. Geplant sind die Entwicklung neuer Maßnahmen und die Akquise von Fördermitteln, die Betreuung der Eigentums- und Langfristpachtflächen sowie die Nachbetreuung und Fertigstellung bereits begonnener Naturschutzmaßnahmen.
Auch Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit sollen fortgeführt und weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind unter anderem die Weiterentwicklung von Lehrmaterialien für Umweltschulen, die Umsetzung des Biber-Pfades in Grebenhain sowie der weitere Austausch mit den Mitgliedskommunen und die Gewinnung neuer Mitglieder.
Für die Unterstützung des Vogelsbergkreises zeigte sich der Verein ausdrücklich dankbar. Auch das Land Hessen unterstützt den Landschaftspflegeverband finanziell über eine Förderung. Der Verein will sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Erfolge des Naturschutzgroßprojektes langfristig gesichert und die dafür notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Damit soll die im Naturschutzgroßprojekt aufgebaute Arbeit nicht mit dessen Abschluss enden, sondern dauerhaft fortgeführt und weiterentwickelt werden. Der Landschaftspflegeverband soll künftig eine wichtige Rolle dabei übernehmen, die wertvollen Natur- und Kulturlandschaften des Vogelsbergs zu erhalten und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort weiterzuentwickeln.