Bietigheim-Bissingen, 16.09.2026 (PresseBox) – Rund jede sechste Person in Deutschland wohnt in einem Gebäude mit undichtem Dach, feuchten Wänden, feuchten Böden oder morschen Fensterrahmen. Der Anteil beträgt laut Eurostat 16,0 Prozent für das Erhebungsjahr 2023. Diese Zahl stammt aus der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen, die das Statistikamt Eurostat führt und deren Datensatz am 13. August 2026 aktualisiert wurde. Welcher Feuchtewert in einem Kellerraum überhaupt tragbar ist, klärt eine Bestimmung der tragbaren Luftfeuchte im Keller.
Vier Prozentpunkte mehr als im Erhebungsjahr 2020
Der deutsche Wert hat sich innerhalb von drei Erhebungsjahren deutlich verschoben. Nach Angaben von Eurostat lag er 2019 und 2020 jeweils bei 12,0 Prozent und damit klar unter dem Unionsdurchschnitt. Im Erhebungsjahr 2023 kehrt sich das Verhältnis um.
Fünf Vergleichswerte aus dem Datensatz ordnen den deutschen Anteil ein:
- Deutschland, Erhebungsjahr 2023: 16,0 Prozent
- Deutschland, Erhebungsjahr 2020: 12,0 Prozent
- Deutschland, Erhebungsjahr 2019: 12,0 Prozent
- Europäische Union, Erhebungsjahr 2023: 15,6 Prozent
- Europäische Union, Erhebungsjahr 2020: 14,8 Prozent
Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften der Haushalte und nicht auf einer Begehung durch Sachverständige. Eine solche Befragung erfasst das, was Bewohner selbst bemerken – ein Stockfleck hinter dem Schrank fällt darunter, eine durchfeuchtete Kellerwand hinter einer Regalwand womöglich nicht. Das Erhebungsjahr 2023 ist der jüngste veröffentlichte Stand.
Warum die Zahl im Herbst schwerer wiegt als im Sommer
Feuchte in Gebäuden ist ein saisonales Problem, weil sie an der Temperatur der Bauteile hängt. Warme Raumluft nimmt mehr Wasserdampf auf als kalte. Trifft sie im Oktober auf eine Außenwand, deren Oberfläche längst abgekühlt ist, steigt die relative Luftfeuchte unmittelbar an dieser Fläche, ohne dass im Raum mehr Wasser vorhanden wäre.
Laut dem Leitfaden des Umweltbundesamtes zur Vorbeugung und Sanierung von Schimmelbefall lässt sich der Vorgang an einem Beispiel nachrechnen. Raumluft mit 22 Grad Celsius und einem Wassergehalt von 10 Gramm je Kubikmeter weist 50 Prozent relative Luftfeuchte auf. An einer Wandoberfläche von 14,5 Grad Celsius liegen im selben Raum bereits 80 Prozent vor, und bei etwa 11 Grad Celsius wird der Taupunkt erreicht.
Wie sich die Luftfeuchte an der kalten Fläche begrenzen lässt
Laut dem Umweltbundesamt genügt für Schimmelwachstum eine relative Luftfeuchte von 70 bis 80 Prozent an der Materialoberfläche, wenn sie über längere Zeit einwirkt. Sichtbar nass muss die Wand dafür nicht sein. Der maßgebliche Wert ist also nicht die Anzeige in der Raummitte, sondern die Feuchte an der kältesten Fläche des Raums.
„Wer im Keller nach Gefühl lüftet, verschlechtert die Lage im Sommer und verbessert sie im Winter – und merkt den Unterschied erst am Geruch. Ein Messgerät kostet weniger als der erste Quadratmeter Sanierputz“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Ein Entfeuchter arbeitet gegen diesen Anstieg, sofern er auf einen Zielwert eingestellt ist und nicht dauerhaft durchläuft. Welche Zielfeuchte für welchen Raum sinnvoll ist und wie sich ein Gerät darauf einstellen lässt, beschreibt eine Anleitung zur Einstellung der Zielfeuchtigkeit.
Woran sich der nächste Datenstand ablesen lässt
Nach Angaben von Eurostat wird der Datensatz regelmäßig fortgeschrieben; der nächste Vergleichswert entsteht mit der folgenden Erhebungswelle der europäischen Statistik. Ob der deutsche Anstieg von 12,0 auf 16,0 Prozent eine Bewegung im Gebäudebestand abbildet oder eine gestiegene Aufmerksamkeit der Befragten, lässt sich erst mit dem folgenden Erhebungsjahr beurteilen.
Für Hauseigentümer und Mieter zählt bis dahin die Messung im eigenen Gebäude. Ein Hygrometer an der kältesten Außenwand und ein zweites im Keller liefern im Herbst 2026 innerhalb weniger Wochen ein Bild davon, ob Feuchteschäden drohen oder ob die Werte im unkritischen Bereich bleiben.